Gegenüberstellung zweier Diagramme: Links eine Finanzierungsrunde, bei der neue Anteile entstehen und Geld vom Investor in die Firmenkasse fließt. Rechts ein Secondary Sale, bei dem bestehende Anteile von einem Altgesellschafter zum Käufer wechseln und das Geld direkt an den Verkäufer geht, während die Firmenkasse unverändert bleibt.

Secondary Sale

Ein Secondary Sale ist der Verkauf bereits bestehender Firmenanteile von einem Eigentümer an einen anderen. Das Unternehmen selbst bekommt dabei kein Geld, weil keine neuen Anteile ausgegeben werden — das Geld geht an den Verkäufer.

Firmen gehören ihren Eigentümern in Form von Anteilen, also rechnerischen Bruchstücken des Unternehmens. Diese Anteile kann man auf zwei Wegen erwerben. Entweder eine Firma gibt neue Anteile aus und sammelt damit frisches Geld für sich selbst ein. Oder jemand, der bereits Anteile besitzt, verkauft sie weiter an einen anderen Käufer. Der zweite Fall heißt Secondary Sale, auf Deutsch etwa Zweitmarktverkauf. Das Geld fließt dabei nicht in die Firmenkasse, sondern in die Tasche des bisherigen Eigentümers.

Warum Gründer und Mitarbeiter darauf warten

Anteile an einem jungen Technologieunternehmen sind auf dem Papier oft sehr viel wert. Nur kann man davon weder Miete zahlen noch ein Auto kaufen. Solange die Firma nicht an die Börse geht oder verkauft wird, sitzt das Vermögen fest. Fachleute nennen das mangelnde Liquidität, also fehlende Umwandelbarkeit in Bargeld. Ein Secondary Sale ist der übliche Weg, dieses Problem zu lösen, bevor es einen Börsengang gibt.

Das betrifft nicht nur Gründerinnen und Gründer. Viele Angestellte in der Technologiebranche bekommen einen Teil ihres Gehalts in Firmenanteilen. Wenn ein Unternehmen zehn Jahre lang privat bleibt, warten diese Leute zehn Jahre auf ihr Geld. Firmen wie OpenAI oder SpaceX organisieren deshalb regelmäßig sogenannte Tender Offers. Dabei dürfen Mitarbeiter zu einem festgelegten Preis einen begrenzten Teil ihrer Anteile verkaufen.

Für Beobachter ist ein Secondary Sale außerdem ein Preisschild. Er zeigt, was Käufer aktuell wirklich für eine Firma zu zahlen bereit sind. Bei OpenAI wurde die Bewertung Ende 2025 auf diesem Weg bei rund 500 Milliarden Dollar festgestellt — ohne dass das Unternehmen selbst neues Kapital eingesammelt hätte.

Wie ein Anteilsverkauf ohne Börse abläuft

Bei einem börsennotierten Konzern ist der Verkauf simpel: Man klickt in einer App auf Verkaufen. Bei einer privaten Firma geht das nicht, weil es keinen offenen Markt gibt. Käufer und Verkäufer müssen sich einzeln finden und den Preis aushandeln. Meist übernimmt das Unternehmen selbst die Organisation und legt einen Zeitraum sowie einen einheitlichen Preis fest.

Entscheidend ist die Zustimmung der Firma. In fast allen Gesellschafterverträgen steht, dass Anteile nicht frei weitergegeben werden dürfen. Das Unternehmen will kontrollieren, wer künftig mitredet. Häufig gibt es ein Vorkaufsrecht: Die Firma oder ihre bestehenden Geldgeber dürfen zuerst zugreifen. Wer als Mitarbeiter verkaufen will, ist deshalb auf die Erlaubnis von oben angewiesen.

Ein verbreiteter Irrtum ist, ein Secondary Sale sei eine Finanzierungsrunde. Das ist er nicht. Bei einer Finanzierungsrunde entstehen neue Anteile, der Kuchen bekommt zusätzliche Stücke, und die Firma erhält Geld für Gehälter oder Rechenzentren. Beim Secondary Sale wechseln vorhandene Stücke nur den Besitzer. Die Gesamtzahl der Anteile bleibt gleich.

Secondaries in Meldungen über KI-Unternehmen

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff derzeit vor allem bei großen KI-Firmen auf. Anthropic, OpenAI, xAI und Databricks bleiben lange privat, obwohl sie hunderte Milliarden wert sind. Wenn dort von einer neuen Bewertung die Rede ist, steckt oft ein Secondary Sale dahinter. Es lohnt sich, genau hinzusehen, ob die Firma tatsächlich Geld bekommen hat.

Auch im Bereich Private Equity, also bei Beteiligungsgesellschaften, sind Secondaries üblich. Ein Fonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren muss seine Beteiligungen irgendwann abstoßen. Findet sich kein Käufer für die ganze Firma, verkauft er seine Anteile an einen spezialisierten Secondaries-Fonds. Solche Fonds haben sich in den letzten Jahren zu einem eigenen Markt mit dreistelligen Milliardenbeträgen entwickelt.

Für Privatanleger sind diese Geschäfte in der Regel nicht zugänglich. Es gibt zwar Plattformen, die Anteile privater Firmen vermitteln, doch die Einstiegssummen sind hoch und die Informationen dünn. Wer eine Zahl aus einem Secondary Sale liest, sollte sie als Momentaufnahme verstehen. Sie beschreibt, was einige wenige Käufer in einem engen Markt gezahlt haben.

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