Onkogen

Onkogen

Ein Onkogen ist ein verändertes Gen, das eine Zelle zu unkontrolliertem Wachstum antreibt und so zur Entstehung von Krebs beitragen kann. Es entsteht meist aus einem normalen Wachstumsgen, das durch eine Mutation dauerhaft „eingeschaltet" bleibt.

In jeder Zelle des Körpers liegt ein langer Bauplan, die DNA. Abschnitte dieses Bauplans heißen Gene, und jedes Gen enthält die Anleitung für einen bestimmten Baustein der Zelle. Manche dieser Gene steuern, wann eine Zelle sich teilen und vermehren soll. Wird so ein Steuerungsgen durch einen Kopierfehler verändert, kann es dauerhaft das Signal « teile dich » senden. Ein Gen in diesem fehlerhaften, ständig aktiven Zustand nennt man Onkogen. Die harmlose Ausgangsform, die einfach nur normales Wachstum regelt, heißt Proto-Onkogen.

Der Gaspedal-Defekt hinter vielen Krebsarten

Krebs entsteht, wenn sich Zellen vermehren, obwohl der Körper das gar nicht braucht. Onkogene sind einer der häufigsten Auslöser dafür. Ein hilfreiches Bild: Das Proto-Onkogen ist das Gaspedal der Zellteilung. Ein Onkogen ist ein Gaspedal, das klemmt und sich nicht mehr lösen lässt.

Es gibt eine zweite Sorte von Krebsgenen, die man davon unterscheiden muss. Tumorsuppressorgene bremsen die Zellteilung, sie sind also die Bremse. Bei ihnen ist der Ausfall gefährlich, nicht die Überaktivität. Ein Tumor entsteht oft erst, wenn Gaspedal und Bremse gleichzeitig defekt sind. Deshalb reicht eine einzige Mutation meist nicht aus.

Praktisch wichtig ist das, weil man ein klemmendes Gaspedal gezielt blockieren kann. Ein Medikament kann das Produkt eines Onkogens hemmen. Eine fehlende Bremse wieder einzubauen, ist dagegen viel schwieriger. Genau darum sind Onkogene die beliebtesten Angriffspunkte moderner Krebsmedikamente.

Wie ein harmloses Gen außer Kontrolle gerät

Es gibt mehrere Wege, auf denen aus einem Proto-Onkogen ein Onkogen wird. Der einfachste ist eine Punktmutation: Ein einzelner Buchstabe im Erbgut wird falsch kopiert. Das entstehende Eiweiß hat dann eine leicht veränderte Form und schaltet sich nicht mehr ab. Beim bekannten Gen KRAS reicht bereits ein einziger vertauschter Baustein aus.

Ein zweiter Weg ist die Vervielfältigung. Statt zwei Kopien eines Gens besitzt die Zelle plötzlich zwanzig. Jede Kopie funktioniert normal, aber zusammen erzeugen sie ein viel zu starkes Wachstumssignal. Das passiert zum Beispiel beim Gen HER2 bei bestimmten Formen von Brustkrebs.

Ein dritter Weg entsteht, wenn Chromosomen brechen und falsch wieder zusammenwachsen. Dabei können zwei Genstücke verschmelzen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Das bekannteste Beispiel ist das sogenannte Philadelphia-Chromosom bei einer Form von Blutkrebs. Wichtig zu wissen: Solche Veränderungen entstehen fast immer erst im Laufe des Lebens in einzelnen Körperzellen. Sie werden dann nicht an Kinder vererbt.

Onkogene in der Medizin und in den Wirtschaftsnachrichten

Wer heute eine Krebsdiagnose bekommt, lässt oft den Tumor genetisch untersuchen. Ein Labor liest dabei, welche Onkogene in den Tumorzellen aktiv sind. Aus diesem Befund ergibt sich die Therapie. Man spricht von zielgerichteter Therapie, weil das Medikament genau zu dem gefundenen Defekt passt.

Ein berühmtes Beispiel ist Imatinib, ein Medikament gegen die chronische myeloische Leukämie. Es blockiert das Eiweiß, das aus dem verschmolzenen Gen entsteht. Vor seiner Einführung war diese Erkrankung meist tödlich, heute leben die meisten Betroffenen viele Jahre damit. Solche Fälle erklären, warum Pharmaunternehmen Milliarden in diesen Bereich stecken.

Deshalb taucht der Begriff auch in Finanznachrichten auf. Wenn eine Biotech-Firma meldet, ihr Wirkstoff greife ein bestimmtes Onkogen an, reagieren Anleger darauf. Zunehmend hilft künstliche Intelligenz dabei, in riesigen Genom-Datensätzen neue Onkogene und passende Wirkstoffe zu finden. Ein verbreiteter Irrtum sollte dabei nicht untergehen: Ein Onkogen ist keine Garantie für Krebs, sondern ein Risikofaktor unter mehreren.

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